[Info] II. Wie gehe ich mit dem Testergebnis um? Und wo ist eigentlich der Unterschied zwischen Unverträglichkeit und Allergie?

Hallo meine Lieben,
heute folgt der zweite Teil der Info-Reihe über Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten. Viel Spaß beim Lesen :)

Eine Nahrungsmittelallergie ist medizinisch etwas völlig anderes als eine Nahrungsmittelunverträglichkeit, auch wenn die Wörter an sich sehr ähnlich klingen und man eigentlich dieselbe Bedeutung vermuten würde.
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Bei einer Nahrungsmittelallergie reagiert der Körper auf einen bestimmten Stoff in der Nahrung allergisch, welcher für einen gesunden Menschen völlig harmlos ist. Es ist quasi eine Fehlsteuerung des Immunsystems. Nur 1-5% der Bevölkerung reagiert in dieser Form auf bestimmte Lebensmittel. Liegt eine Allergie vor, bildet der Organismus Antikörper gegen Bestandteile der Nahrung. Lagern sich Antigen und Antikörper zu einem Immunkomplex zusammen, dann setzen die sogenannten Mastzellen, die sich im gesamten Körper befinden, Histamin frei. Dieser Stoff ist dann für die typischen allergischen Symptome verantwortlich. Bereits geringste Spuren des Lebensmittels, auf das man allergisch reagiert, können schwere allergische Reaktionen hervorrufen und die Abwehrmechanismen laufen dann auf Hochtouren. In der Regel muss bei einer Allergie deshalb penibel darauf geachtet werden, dass die betroffenen Lebensmittel von der Zutatenliste komplett gestrichen werden.
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Bei einer Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Lebensmitteln verhält es sich anders als bei einer Allergie. Hier funktioniert ein Enzym oder Transportmechanismus im Darm nicht, wodurch es zu individuellen Beschwerden kommt, die ebenfalls unterschiedlich stark ausfallen können. Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind wesentlich häufiger verbreitet, nämlich bis zu 30%, lassen sich aber einfacher behandeln. Es handelt sich dabei vorwiegend um eine Verwertungsstörung der Nahrung. Die einen klagen bereits bei kleineren Mengen über Beschwerden, bei anderen macht sich die Unverträglichkeit erst nach einer größeren verzehrten Menge bemerkbar.
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Es ist also wichtig beim Erhalt des Testergebnisses darauf zu achten, in welchen Punkten tatsächlich oder überhaupt eine Allergie vorliegt und wo eine Unverträglichkeit. Unbedingt keine Scham haben, den Arzt mit Fragen zu löchern! Denn nichts ist schlimmer als mit dem Testergebnis und tausend offenen Fragen nach Hause zu gehen. Trotz Allergie und Unverträglichkeiten muss in Zukunft weiter auf eine ausgewogene Ernährung geachtet werden und das ist ziemlich schwer, wenn man sich unsicher ist, was man nun essen darf und was nicht.  
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Als ich mein Testergebnis erhalten habe, war ich zunächst geschockt, wie lang die Liste an Allergien und vor allem Unverträglichkeiten ist. Keine Sorge, das ist eher die Ausnahme als die Regel. Gleichzeitig war ich erleichtert, endlich eine Aufschlüsselung zu haben, woher meine Beschwerden nun rühren… denn ich habe lang genug Schmerzen ausgehalten. Mein Arzt hat sich wirklich Zeit für mich genommen und mir alles in Ruhe erklärt und mir Alternativen aufgezeigt, wie ich nun damit umgehen kann. Das waren natürlich ziemlich viele Informationen für einen Tag, die man gar nicht auf einmal verarbeiten kann.
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Daher möchte ich euch 7 Tipps an die Hand geben, wie ihr mit dem Testergebnis umgehen könnt:
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  1. Besprecht mit dem Arzt das weitere Vorgehen und macht nichts im Alleingang. Das erschwert das Ganze nur. Vorrangig ist es, vor allem die Allergien in den Griff zu bekommen, damit der Körper sich erholen kann. Ich habe sofort ab dem Tag, wo ich das Testergebnis erhalten habe, die betroffenen Lebensmittel weggelassen und mir ging es schlagartig innerhalb weniger Tage besser!
  2. Legt euch einen Folgetermin in 14 Tagen nach Erhalt des Ergebnisses. In diesem Zeitraum könnt ihr euch in Ruhe informieren. Es werden euch wahrscheinlich einige Fragen einfallen, deswegen am besten immer einen Block mit Stift oder Smartphone mit Notizfunktion dabei haben, um sich die Fragen zu notieren. Sonst vergisst man das schnell. Bei dem Folgetermin können dann die ersten 2 Wochen der Umstellung und die entstandenen Fragen besprochen werden.
  3. Alles Schritt für Schritt. Setzt euch nicht unter Druck, sofort alles perfekt umzusetzen. Das ist gar nicht möglich, da man erst mit der Zeit alle nötigen Informationen und vor allem Erfahrungen nutzen kann, tatsächlich mit den Allergien und Unverträglichkeiten umzugehen. Macht euch einen Plan, wie ihr mit eurem individuellen Alltag am besten damit umgehen könnt.
  4. Nehmt euch Zeit und seid geduldig mit euch selbst! Das ist ein ernst gemeinter Tipp, vor allem, wenn es ums Einkaufen geht. Die ersten 3-4 Wochen sind die härtesten und benötigen wirklich eine Menge Schweiß und Biss, nicht aufzugeben. Ich habe für meinen Einkauf plötzlich nicht mehr 30 Minuten sondern 2 Stunden gebraucht – das ist aber wichtig! Jedes Lebensmittel muss neu studiert werden, die Zutatenliste wird euer neuer bester Freund. Am besten die erste Zeit das Testergebnis immer in der Tasche haben, um zu überprüfen, ob irgendwas enthalten ist, was nicht verzehrt werden darf. Irgendwann kann man die Liste auswendig, glaubt mir.
  5. Sucht euch alternative Supermärkte zu denen, wo ihr sonst eingekauft habt. Ihr werdet wahrscheinlich nicht darum herum kommen, das Reformhaus oder den Bio-Markt aufsuchen zu müssen. Oder zumindest die Bio-Abteilung der Supermarktketten. Natürlich je nach Allergie und Unverträglichkeit unterschiedlich.
  6. Macht euch bewusst, dass ihr die Ernährungsumstellung für EUCH und EURE Gesundheit tut. Das hat nichts mehr mit Verzicht wegen eines Abnehmwunsches zu tun. Die Motivation zu „verzichten“ ist nun eine völlig andere. Gedanken wie „Man ist das gemein, ich kann ja gar nichts mehr essen“ oder „Das Leben ist so ungerecht“ sofort streichen. Es ist wie es ist und es lässt sich nicht ändern. Entweder, ihr ändert etwas für eure Gesundheit und euer Wohlbefinden oder ihr lasst es, was ja durchaus möglich ist, habt dann aber weiterhin Bauchschmerzen und andere Symptome. Die Entscheidung liegt ganz allein bei euch. Aber: es gibt wesentlich schlimmeres auf dieser Welt als Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten! Ihr werdet schnell merken, wenn ihr euch intensiv mit der Ernährungsumstellung befasst, dass es seeeeehr viele Alternativen gibt und das Leben damit gar nicht mehr so schlimm ist wie die ersten Wochen. Zumal es längst nicht jeden mit so einer langen Liste trifft wie mich. Es ist wirklich machbar :) Vergesst nicht: Umstellungen jeglicher Art sind am Anfang immer schwierig und anstrengend – aber sie bewähren sich langfristig gesehen.
  7. Es gibt eine Menge Rezeptideen und Hilfe-Seiten im Internet zu den verschiedensten Allergien und Unverträglichkeiten. Einfach mal google anschmeißen, da werdet ihr eine Menge finden. Oder mal in der Buchhandlung nach Rezeptbüchern und Ratgebern schauen. Es gibt eine Fülle an Informationen, die einem den Umgang mit so einem Testergebnis erleichtern.
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Ich hoffe, dass euch diese Tipps weiterhelfen und euch Mut machen können, dass ein zunächst unangenehm erscheinendes Testergebnis gar nicht so schlimm ist. Es ist alles machbar, ihr müsst euch nur informieren und euch ganz viel Zeit geben und nehmen. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Mit der Zeit wird der Umgang mit den Allergien und Unverträglichkeiten leichter und nach ein paar Monaten lacht man über die Strapazen am Anfang.
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Ich wünsche euch viel Erfolg bei der Umsetzung einer Ernährungsumstellung aufgrund von Nahrungsmittelallergie/-unverträglichkeit. Wenn ich das kann, könnt ihr es schon lange :)
Ich drück euch,
eure Jenny

Kommentare

  1. Huhu Liebes!
    Ich bin immer noch total beeindruckt, wie gut du mit deinen Lebensmittelallergien und -unverträglichkeiten umgehst! Denn ich war auch ziemlich geschockt, als du die Liste hier veröffentlicht hast! Ich mit meiner kleinen Laktoseintollerenz (ok, hat sich durch meine vegane Ernährung sowieso erledigt) brauche mich da ja echt nicht beschweren.

    Aber ich verstehe dich, wenn du schreibst, dass es für dich kein Verzicht ist! Geht mir bei meiner veganen Ernährung ja nicht anders. Und wenn ich nur daran denke, wie sich mein Bauch anfühlt, wenn ich irgendetwas mit Sahne essen würde... dann vergeht mir der Appetit sowieso!

    Viele liebe Grüße

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  2. Ich bin echt froh, dass ich keine Allergien und Unverträglichkeiten habe... Dass kann einen den Alltag ganz schön erschweren :( Aber ich finde es super, dass du da so offen drüber schreibst! Das gibt anderen sicher Mut und Hilfe!

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  3. Ersteinmal: Respekt für deinen Umgang und deine Offenheit mit diesem Thema.
    Ich wünscht, vor ca. 20 Jahren hätte es solche Plattformen gegeben, aber bei mir hieß es dann leider nur, die will sich vor der Schule drücken, ist doch gesund das Mädchen. Heute weiß ich, wenig Milch/Milchprodukte und nicht zu viel Obst und alles ist gut. Aber meine Unverträglichkeit hält sich ja auch, im Gegensatz zu deinen Allergien, im kleinen Rahmen (ich habe sogar den Eindruck, es ist mit der Zeit besser geworden?!?).
    Ich find es echt schön, dass du da so positiv und tatkräftig ran gehst und dich nicht von den negativen Seiten runterziehen lässt, es gibt tatsächlich gute Alternativen, und wenn manche Sachen einfach nicht mehr in Frage kommen, ist es so. Gibt so viel anderes leckeres :D
    Eigentlich ist es schon wie mit dem Abnehmen, man muss sich richtig damit befassen und darauf einlassen, dann ists kein Hexenwerk mehr.

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    1. Das hat Anna wunderbar geschrieben und ich kann mich dem nur anschließen!

      Und vielleicht wird es auch für mich mal Zeit zum Arzt zu gehen und nicht mehr mit mehrmaligen Bauschmerzen pro Monat zu leben!

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