In Maßen vs. Maßlosigkeit

Huhu ihr Lieben :)

Jetzt haben wir schon wieder Mittwoch... die Zeit rast. In nichtmal mehr einer Woche ist Weihnachten und ich bin noch so überhaupt nicht in Weihnachtsstimmung. Wir haben zwar gestern Abend einen Weihnachtsfilm geschaut, aber geholfen hat das auch nicht. Heute habe ich endlich mal einen freien Tag und Schatz und ich wollen nachher eine Weihnachts-Back-Session starten. Vielleicht komme ich dadurch ja in Weihnachtsstimmung. Auf dem Weihnachtsmarkt war ich auch noch nicht - und als wir wollten, hatten nur noch die Punsch-Stände auf... das war nicht grad sehr festlich und wir sind wieder nach Hause gegangen. Den Geldbeutel hats gefreut. Naja. Ich muss Do-Sa jeden Tag noch im Nebenjob arbeiten (allerdings volle Schichten, also wie ein Arbeitstag 8h) und dann habe ich bis 30.12. frei. Vielleicht komme ich dann ja auf andere Gedanken :)

Im Moment denke ich zudem viel über diese ganze Ernährungsumstellung nach und was ich in diesem Jahr alles über dieses Thema und vor allem dabei über mich gelernt habe. Daher auch der Titel dieses Posts.
Ich habe mich seit dem letzten Rückfall im Sommer wirklich erstaunlich gut unter Kontrolle. Ich mache weiterhin, wenn auch gerade zeitlich eingeschränkt, Sport und esse gesund. Es landet schon häufiger als sonst Süßkram nebenbei in meinem Bauch, aber das lässt sich in der Weihnachtszeit grad irgendwie nicht vermeiden - oder sagen wir so: ich will es auch gar nicht vermeiden. Es ist völlig im Rahmen und in Maßen. 

Und da sind wir bei einem wunden Punkt: in Maßen essen. Ein leidiges Thema, was in letzter Zeit auch häufiger bei anderen Blogs zu lesen ist. Vor allem meine liebe Saskia setzt sich im Moment verstärkt damit auseinander und ich möchte euch eines sagen: das ist genau richtig! Denn nur so lernt man sich kennen und findet Wege, damit umzugehen. Dieses Jahr war bei mir voller auf und abs, vor allem auch auf der Waage... aber ohne diese ganzen Rückfälle und Niederschläge, hätte ich rein nichts gelernt. Hätte ich das Gewicht einfach so verloren und gehalten - wäre auch schön gewesen. Aber dann hätte ich kein gestörtes Verhältnis zu Essen, hätte eigentlich gar nicht abnehmen müssen und dieser Blog würde gar nicht existieren. Aber er existiert, genau aus diesem Grund... weil ich mich mit meinem Essverhalten außeinander setzen musste, um ENDLICH etwas zu ändern in meinem Leben. Nicht nur, um ein paar Kilos zu verlieren... sondern langfristig gesund zu leben.  Ich sage nicht, dass es leicht ist. Es ist sogar verdammt aufwendig, nervenraubend und mehr als schwer. Dafür lohnt es sich! Ich bereue rückblickend keinen einzigen Schritt, den ich dieses Jahr gegangen bin, denn er hat mich näher dahin gebracht, wo ich jetzt stehe. All diese Erfahrungen brauchte ich, um einen Weg aus der Maßlosigkeit und der Abhängigkeit von Essen zu finden. Ich möchte gar nicht behaupten, dass ich es überwunden habe... ich glaube, dazu bedarf es einfach noch viel mehr Zeit und Erfahrungen. Und wenn diese Erfahrungen weitere Rückschläge sein sollten, würde ich diese in Kauf nehmen, weil ich jedes Mal wieder daraus etwas Neues lerne. Natürlich hoffe ich, dass mir das erspart bleibt, im Moment bin ich wirklich gut davor.  Aber man weiß ja nie.

Wer keinen Umgang mit Essen gelernt hat, so wie ich, wird wahrscheinlich jeden einzelnen Tag mit diesem Thema zu kämpfen haben. Aber es ist nie zu spät, den Umgang zu lernen. Man muss nur bereit sein, sich sich selbst zu stellen und ehrlich zu sich sein. Und glaubt mir, dass ist leichter geschrieben als getan.
Wenn man Essen nutzt, um mit Gefühlen umzugehen oder diese zu verdrängen oder wenn man einfach nicht "Nein" zu Essen sagen kann, egal wie sehr man es auch versucht, dann deutet das auf ein gestörtes Essverhalten hin. Und beides traf und trifft teilweise immer noch auf mich zu. Doch das habe ich erst durch dieses Jahr wirklich bewusst gemerkt, dass ich abhängig von Essen war. Vor allem ungesundem Essen. Und ich habe dieses Jahr ebenfalls erst verstanden was es bedeutet, gesund zu leben. 

In meinen schlimmen Phasen gab es für mich damals keinen Tag, andem ich nicht 3500+ Kalorien gegessen habe, wenn ich so drüber nachdenke. Es fing morgens ungesund an und zog sich durch den ganzen Tag. Ich hatte keine Fressanfälle, sondern dieses Schlingen und Vertilgen von ungesundem Kram war für mich alltäglich. Gemüse, Obst und Vollkorn waren für mich Fremdwörter. Manchmal hatte ich kurze "Einsichten" und habe angefangen abzunehmen - aber immer mit den falschen Ansätzen und habe im Endeffekt immer wieder zugenommen...

 Ich habe bei diesen Radikaldiäten nie gelernt,dass...
...essen damals alles war, worüber ich nachgedacht habe. Sei es, was ich als nächstes essen könnte oder wie schlecht ich mich fühle, dass ich wieder nur Süßigkeiten esse. Mir war Essen eine Zeit lang wichtiger als meine sozialen Kontake oder Hobbies. Ich habe mich eingeigelt, habe mich schlecht gefühlt, geschämt und aus Frust weiter gegessen.

...ich jederzeit mit dem Essen aufhören kann. Es gibt keinen Zwang, alles aufessen zu müssen, der existiert nur im Kopf. Ich war früher wirklich maßlos, weil ich einfach alles aufessen wollte. Ich hatte kein Hungergefühl mehr, nichts war vor mir sicher... ich habe wirklich alles gegessen, was mir in die Finger gekommen ist.

...ich nicht heimlich essen muss oder darüber schwindeln muss, was ich gegessen habe.Wie oft habe ich heimlich gegessen, mir heimlich Süßigkeiten auf dem Heimweg gekauft und verschlungen, damit es niemand mitbekommt. Wie oft habe ich gelogen, was ich nicht schon alles gegessen habe, um mir nicht einzugestehen, dass das Abendessen eigentlich eher klein ausfallen sollte, statt Pizza zu essen. Nein, ich hatte heute erst Frühstück und eine Kleinigkeit zu Mittag, ich nehm gern Pizza. Dabei hatte ich schon sonstwas gegessen.

...ich mich nicht vollstopfen muss und nicht weiter essen muss, obwohl ich keinen Hunger mehr habe. Zum Geburtstag oder zu Weihnachten mehr zu essen, als man eigentlich Hunger hat, ist das eine. Aber jeden Tag so zu essen, das andere. Und das war bei mir der Fall. Mir war manchmal so schlecht vom Essen, dass ich mich nicht mehr bewegen konnte und ich das Gefühl hatte, keine Luft mehr zu bekommen.. Mein Stoffwechsel war lahmgelegt und es hat Tage gedauert, bis ich mich erholt hatte. Trotzdem habe ich am nächsten Tag weiter gefuttert. Mich wundert nicht, dass ich so aussah, wie ich aussah.

Und selbst jetzt, wo ich es meines Erachtens richtig angegangen habe, habe ich Tage, an denen ich in meine alten Muster zu verfallen drohe... und das wird wohl nie ganz verschwinden... denn schließlich habe ich es lange genug falsch gemacht. 
Trotzdem merke ich, wie ich langsam gelassener werde, da der Griff zu gesunden Lebensmitteln für mich mittlerweile "normal" geworden ist. Aber dieses mittlerweile funktioniert eben nicht in 2 Wochen, sondern es beansprucht Zeit. Bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger, aber ihr solltet sie euch nehmen und euch nicht unter Druck setzen. Jeder muss einen Weg für sich selbst finden. Es gibt keine allgemein gültige Formel, denn jeder Mensch ist anders. Der eine verzichtet komplett auf Süßigkeiten, weil die Gefahr sonst zu groß ist, das alles aufgegessen wird... der andere hat einen Weg gefunden, gewisse Süßigkeiten in Maßen zu essen und sich davon etwas zu gönnen, weiß aber das bestimmte Lebensmittel trotzdem nicht ins Haus kommen dürfen, da diese sonst auch ohne Grenzen an einem Abend aufgefuttert werden. Und jeder Weg davon ist richtig!! Es ist keine Schande und nichts, wofür man sich schämen muss!! Jeder Mensch hat eine Schwachstelle. Und wenn das bei uns nunmal Süßigkeiten oder das Essverhalten allgemein ist, dann sollte man sich das einfach eingestehen und offen damit umgehen. So wird man eher auf Akzeptanz und Verständnis im Umfeld treffen, als das man aus Höflichkeit doch das Stück Kuchen isst und sich später schlecht fühlt und das sogar gegebenenfalls der ausschlaggebende Punkt für einen Rückfall ist... weil man sich ja jetzt was gegönnt hat, wieso nicht dann auch noch mehr? Das muss einfach nicht sein, denke ich. Wieso sich aufopfern und selbst dann wochenlang zu kämpfen haben?

Was ich sagen möchte... eine Ernährungsumstellung ist ein langer Prozess, der viel Arbeit mit sich selbst und Emotionen bedeutet. Der vor allem Zeitaufwand bedeutet. Ich hätte mir die oben aufgeführten Punkte früher niemals eingestanden. Der Fokus lag nur darauf, dass ich ein paar Kilos abnehmen wollte, um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen und dann doch weiter maßlos Essen in mich reinzustopfen. Erst als mir all diese Punkte schmerzhaft bewusst wurden und ich ernsthaft daran etwas verändern wollte, habe ich auch Lösungen gefunden. Ich kann euch nicht sagen, was der ausschlaggebende Punkt war, dass ich diese Ernärhungsumstellung angegangen bin... aber eins ist sicher: sich unnötig Druck zu machen, von jetzt auf gleich sein Leben umzukrempeln und dabei alles "perfekt" zu machen, bringt gar nichts. Es gibt keinen perfekten Weg, sondern nur den, den man mit sich selbst am besten vereinbaren und umsetzen kann. Aber ich glaube auch das lernt man erst in diesem Prozess... Gelassenheit und Geduld... nicht alles auf einmal zu wollen und seinem Körper und sich selbst Zeit zu geben, die man benötigt, um das alles zu verstehen, zu verarbeiten und daraus zu lernen. 

Es ist schaffbar, ihr Lieben. Setzt euch nicht so unter Druck. Lernprozesse dauern nunmal eben etwas länger. Dafür habt ihr mehr davon, als wenn ihr euch euer ganzes Leben lang jedes Jahr aufs neue zu Silvester vornehmt, im nächsten Jahr euer Wunschgewicht zu erreichen!! So geht ihr es einmal richtig an und lernt nachhaltig daraus :)

Und da habe ich auch gleich ein Thema für den nächsten Post, der die Tage folgen wird... Ziel 2014: Meine Silvestervorsätze für 2015 sollen nicht mehr um Wunschgewicht und -figur gehen. Höchstens ums Feintuning ;) 
Ihr habt ja jetzt erstmal genug zum Lesen... ich verabschiede mich! Bis die Tage, ich drück euch <3

Kommentare

  1. Danke für diesen Post!
    Du hast super formuliert, was auch ich denke. Und was hoffentlich jedem der sein Leben wirklich ändern wird irgendwann klar wird.
    Es ist schön zu lesen, dass es bei dir jetzt zu klappen scheint und du mit dir und deinem Essverhalten im reinen bist. Ausnahmen bestätigen nur die Regel.

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  2. Du hast sooo recht. In fast 100% deiner Aussagen finde ich mich wieder. Im Prinzip gehen wir alle den gleichen Weg. Nur nunmal jede von uns auf ihre eigenen Bedürfnisse zugeschnitten.
    Du hast das alles so toll formuliert das man dazu gar nicht mehr so viel zu sagen braucht. Den Post unterschreibe ich einfach :)

    Und ich finde deine Silverstervorsätze für 2015 total klasse. Ich hoffe meine werden genau so lauten :) Zwei Jahre ständig über das Abnehmen nachzudenken und sich damit zu beschäftigen dürften dann auch wirklich genug sein.
    Ich bin schon gespannt was du dir für 2014 alles vornimmst. Ich bin auch schon fleißig am Pläne schmieden :)
    Liebe Grüße ♥

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  3. So Selbstreflexionen finde ich unglaublich wichtig - super, dass du dir so viel Gedanken über dein eigenes Verhalten gemacht hast! Warum denkst du, hattest du das Gefühl, verheimlichen zu müssen (bzw. wollen), was du gegessen hast? War das allen Leuten gegenüber oder nur manchen?

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  4. Toller Eintrag! Es ist gar nicht so einfach sein Essverhalten zu ändern. In vielen Aussagen konnte ich mich wiederentdecken!
    Und das mit dem Vorsatz für 2015 finde ich auch super. Ich möchte mein nächstes Jahr endlich mein Zielgewicht erreichen und halten damit sich nicht immer alles ums abnehmen dreht. Toll. :)

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  5. Toller Text! LG und schöne Festtage! :)

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