Wenn ein Ratgeber einem die Augen öffnet...

Guten Morgen ihr Lieben,
heute gibt es wieder einen Post zum Ratgeber von Jennifer Taitz :)
Beginnen wir gleich mit S. 193: "Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob man einen Gedanken registriert oder man ihm Glauben schenkt. Ersteres ist achtsam und eröffnet eine Reihe von Verhaltensmöglichkeiten. Letzteres ist nicht achtsam und sperrt uns ein in unser Gefängnis von Gewohnheiten."
Gefolgt von einer Übung von S. 194: Welchen der aufgeführten verbreiteten Überzeugungen schenken Sie Glauben?
  • Wenn ich schlank bin, bin ich glücklich.
  • Bevor ich mich mit anderen treffe, muss ich meine Gefühle und mein Essverhaltern besser im Griff haben.
  • Ich kann nicht anders, als mich selbst zu sabotieren.
  • Wenn ich das, was jemand für mich zubereitet hat, nicht esse, verletze ich diesen Menschen.
  • Esse ich meinen Teller nicht leer, bin ich ein Verschwender.
  • Wenn ich mein Essverhalten nicht unter Kontrolle habe, habe ich keine Kontrolle über mein Leben.
  • Bevor ich ____ kann, muss ich warten, bis mein Körper perfekt in Form ist.
  • Wenn ich nicht motiviert bin, brauche ich erst gar nicht anzufangen.
  • Bevor ich nicht Größe ____ habe, darf ich mir keine schönen Kleider kaufen, in denen ich mich gut fühle.
  • Sich dick fühlen heißt, sich wertlos und faul zu fühlen.
  • Ich kann meine Impulse nicht kontrollieren.
  • Wenn ich etwas vermasselt habe, hat es keinen Sinn, die Sache retten zu wollen. Ich kann genauso gut aufgeben.
Bei mir treffen definitiv nicht mal die Hälfte zu, aber mir ist bewusst geworden, dass solche Gedanken und vor allem der Glauben an diese Gedanken ein Schwarz-Weiß-Denken auferlegen und so ein Bewusstsein für andere Wahrnehmungsmöglichkeiten und Blickwinkel genommen wird.


Ich war zB so sehr von dem Gedanken eingenommen, dass ich diese Übung von Jillian Michaels (siehe September-Bilanz) eh niemals schaffen werde, dass mich das zurück gehalten hat, es überhaupt richtig zu probieren. Kaum habe ich den Gedanken nur noch wahrgenommen aber íhm keinen Glauben mehr geschenkt, sondern mir gesagt, dass ich es schon irgendwie schaffen werde, auch wenn ich mich fürchte, dass ich versagen könnte, habe ich nach mehreren Versuchen die Übungen geschafft und mache sie nun ohne Probleme!
Was ich sagen möchte, dass ich mich sooft von meinen Gedanken einnehmen lasse und diese mich zurückhalten, etwas auszuprobieren, irgendwas mitzumachen, usw. und das ist wirklich sehr schade. Es ist natürlich nicht immer so, ich probiere viel aus usw. aber ich ertappe mich schon öfter dabei, dass ich Angst davor habe, zu versagen, dass ich der Situation deswegen von vornherein aus dem Weg gehe, obwohl ich es nicht einmal versucht habe oder mir im Kopf Dinge ausmale, die passieren könnten, die ich nicht kontrollieren kann und mich dann hilflos fühle.
Daran möchte ich arbeiten, weil mir dadurch sicher auch sehr schöne Momente durch die Lappen gehen und ich es später evtl. bereuen werde, nicht richtig gelebt zu haben, weil meine negativen Gedanken mich zurückgehalten haben. Es ist schwer für mich, mich gewissen Situationen zu öffnen, da ich so von Selbstzweifeln durchdrungen bin. Ich fühle mich sooft so unwohl in meinem Körper, dass mir so viele Erlebnisse dadurch "fehlen" oder ich keinen Spaß daran habe oder ich mich auch einfach unterschätze, weil mein Selbstbewusstsein in solchen  Momenten sehr sehr klein ist. Einige Beispiele:
  • Baden gehen: sei es am Strand, Schwimmbad oder Freibad. Mir ist es unangenehm, so viel Haut zu zeigen, v.a. am Bauch, weil ich mich so unwohl fühle und so mit mir selbst beschäftigt bin, als dass ich einfach die Situation an sich genieße und Spaß habe. Das ist einfach nicht möglich, weil ich die ganze Zeit denke, dass die Leute sich über mich und meinen Körper lustig machen oder die Röllchen am Bauch zählen. Es ist definitiv schon besser geworden, seitdem ich Sport mache, da fühle ich mich schon etwas besser. Aber ich habe noch nie in meinem Leben einen Bikini gekauft oder angezogen und ein Badeanzug ist mir auch noch zu knapp. Am Strand sitze ich meist mit Shorts und Tshirt. Das ist doch doof. Ich halte mich selbst zurück, schwimmen zu gehen oder im Meer zu planschen - dabei war ich als Kind eine totale Wasserratte. Ich hoffe, dass ich bis zum nächsten Sommer daran arbeiten kann und mich vllt. vorher schonmal zum Schwimmen traue, ohne die ganze Zeit meine Arme vor den Bauch zu halten und einfach Spaß zu haben. Das wird ein hartes Stück Arbeit, aber ich will nicht mehr so eingeschränkt sein.
  • Shoppen: Früher war ich super gerne shoppen und habe Sachen kombiniert und ausprobiert. Das ist aber schon sehr lange her. Heut trage ich eher einfache Kleidung und nichts ausgefallenes. Sooft male ich mir Kombinationen aus oder sehe tolle Sachen, aber traue mich einfach nicht, sie anzuziehen, weil das bei meiner Figur doof aussieht. Dabei gibt es für jede Figur tolle Kleidung!!!
Die Liste kann so weiter gehen... ich möchte wirklich versuchen, meinen Körper lieben zu lernen. Das wird noch ein langer Weg, aber ich möchte ihn angehen. Ich bin mehr als nur ein Speckröllchen am Bauch.



S. 220: "Wenn Sie das Gefühl haben, mit schwierigen Emotionen  nicht umgehen zu können und den Stress unter allen Umständen loswerden wollen, ist es nachvollziehbar, dass Sie zu Essen greifen, schließlich suchen Sie eine sofortige emotionale Unterstützung. Nahrung ist eine unmittelbar zur Vefügung stehende Quelle der Ablenkung und des Vergnügens - und sie ist überall zu haben. Verlässt man sich allerdings auf diese Strategie, lernt man auch keine andere Strategie zum Umgang mit schwierigen Gefühlen und das mangelnde Repertoire an Bewältigungsinstrumenten führt zur Fortsetzung des emotionalen Essverhaltens."
--> Diese Passage ist so logisch und dennoch so aussagekräftig, dass ich ziemlich lange darüber nachgedacht habe. Wenn niemand da ist, ist Essen wirklich immer da. Auch wenn es nicht mit einem spricht und einem keine Tipps oder Ratschläge gibt, hat man zu jeder Uhrzeit die Möglichkeit, an Nahrung zu kommen. Sei es zu Hause, beim Supermarkt, im Restaurant, an der Tankstelle, vom Lieferservice - irgendwie hat man immer die Möglichkeit. Und wenn die Gefühle einen übermannen, greift man eben lieber zu den Süßigkeiten oder sonstigem Ungesunden, denn es geht schnell, es tröstet für einen Moment und man fühlt sich abgelenkt und muss sich der Sache nicht mehr sofort stellen. Es lässt das Problem oder die Situation weniger schlimm wirken und man fühlt sich irgendwie beruhigt, da das Kauen ablenkt und einem irgendeine Beschäftigung gibt. Und da das nunmal so viel einfacher ist, als sich klar zu werden, dass da Gefühle im Spiel sind, die einen vllt. überfordern, man das aber nicht beim Namen nennen will oder vllt. auch niemanden hat, mit dem man darüber reden kann oder möchte, greift man lieber zum Essen. 
Mein ganzes Leben war eigentlich so geprägt, dass ich negative Gefühle und Selbstzweifel mit Essen kompensiert habe. Ich wollte nie jemandem zur Last fallen oder um etwas Bitten, denn ich kam mir überall fehl am Platz vor und nicht gewollt. Und da Essen immer da war und ich selbst Kontrolle darüber hatte, dass es da ist, ist es in Unmengen als zusätzlicher Ballast auf meinem Körper und meiner Seele gelandet. Heute weiß ich, dass es falsch ist und ich zu meinen Gefühlen stehen kann, darf und sollte - auch wenn es mir immer noch so schwer fällt. Aber ich weiß nun, wo meine Schwachstelle ist und versuche, sie zu reparieren. Nähte werden immer bleiben, die die Möglichkeit geben, dass sie wieder aufreißen. Aber vorher war das Loch nicht ansatzweise zugenäht und ich habe dieses Jahr eine Menge dazu gelernt und dazu beigetragen, dass der Flicken nun fest sitzt. Ich beginne langsam, Gefühle wahrzunehmen und zu akzeptieren. In solchen Momenten halte ich inne, konzentriere ich mich auf meinen  Atem und sage mir immer wieder, dass ich auch ohne Süßigkeiten in dieser Situation klar komme und sie nicht brauche. Und das klappt :)

So, jetzt habe ich zwar nur zu 2 Ausschnitten etwas geschrieben, aber die lagen mir am Herzen und ich hab mal wieder eine Menge von mir offenbart. Bei solchen Posts überlege ich echt immer 100 Mal, ob ich ihn wirklich veröffentlichen soll - man macht sich ziemlich angreifbar. Aber dann denke ich mir, dass es vielleicht vielen anderen von euch auch so geht wie mir und ich euch mit meinen Worten vllt. helfen oder trösten kann. Und dafür lohnt es sich, das zu veröffentlichen!! Egal, was vllt. andere dazu sagen - sofern ich nur einem Menschen damit aus der Seele spreche oder helfen kann, hat der Post hier einen Sinn! :)


Ich wünsche euch allen einen wunderschönen freien Tag, genießt ihn und ggf. das verlängerte Wochenende, wenn ihr den Brückentag ebenfalls Urlaub genommen habt bzw. Urlaub nehmen konntet! Für alle Schüler: genießt die Herbstferien! Das Wetter ist Bombe, es ist zwar windig und kalt, aber die Sonne scheint - perfektes Herbstwetter!
Ich werde jetzt mit meinem Schatz seinen Geburtstag feiern. Er hats gut... immer frei an seinem Geburtstag! :D

Kommentare

  1. Dein Post hat einen Sinn. Denn mir geht es sehr ähnlich. Gerade der erste Abschnitt ist wirklich heftig. Heftig in dem Sinne, dass ich mich so stark darin wiedererkenne.
    Ich glaube, in dem du dich selbst hier so offenbarst, wirst du noch stärker. Kannst das erkannte noch besser verarbeiten.
    Und das ist es doch eigentlich, was wir alle wollen: Stark werden. Innerlich stark.

    Ich wünsche dir auf jeden Fall ganz viel Spaß beim Geburtstag. Sag deinem Freund: Oktoberkinder sind die Besten ;)

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  2. Wow, auf mich trifft sooo vieles davon zu.
    Vielleicht sollte ich mir das Buch wirklich anschaffen.
    Denn gerarde mal wieder habe ich gemerkt das ich zu diesen emotionalen Essern gehöre..
    Deine Posts öffnen mir immer die Augen, danke dafür und ich liebe einfach deine Art zu schreiben :)

    Ich hoffe du feierst heute schön mit deinem Schatz, alles Gute auf diesem Wege.

    Und danke dir für alles :) ♥

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  3. Du bist eine beeindruckende Frau. Ich möchte mir gerne mal die Zeit nehmen, dir hier etwas sehr langes, aber ernstes zu schreiben, denn ich finde, du hast es verdient.
    Ich folge deinem Blog seit der Anfangszeit, also seitdem du beschlossen hast, etwas an deinem Leben zu ändern. Ich hatte früher selber einen Blog, jetzt ber nicht mehr, deswegen muss ich auf Anonym zurückgreifen. Aber genug von mir.
    Seitdem ist es einfach beeindruckend, was du geschafft hast. Du hast über alles hier geschrieben- Höhen, Tiefen, Rückschläge aber du hast nicht aufgegeben. Das ist so schön zu lesen, dass du immer wieder sagst du hast es jetzt geschafft und möchtest etwas komplett ändern, für immer. Du gibst hier Tipps und Motivation, du kümmerst dich um andere und bist auch interessiert, wie sie ihren Weg des Abnehmens bestreiten. Dafür kann ich dir nur meinen riesigen Respet aussprechen, das wollte ich schon ewig mal.
    Du hast in diesem Post geschrieben ''Ich bin mehr als das Speckröllchen an meinem Bauch" oder so- und das stimmt! Das sollte sich jeder, wirklich jeder bewusst machen, der mit seinem Gewicht zu kämpfen hat. Wie oft versteckt man sich hinter zu großen Klamotten, weil man Angst hat, dass die Leute lästern, wie oft sagt man sich ''Sooo schlimm ist es ja noch nicht'' und guckt dann doch wieder weg. Du hast es aber geschafft. Über zehn Kilo hast d abgenommen und da man das nicht nur an dieser Zahl festmachen sollte, hast du auch so wahnsinnig viel über dich selbst gelernt. Ein großes Danke, dass du es mit so vielen Personen teilst. Es ist sicher nicht leicht, aber solche Menschen wie du schaffen es, andere zu motivieren und nicht aufzugeben. Ich wiederhole mich- aber du bist toll. Ehrlich. Nehm dir das unbedingt zu Herzen, dass du eine vorbildliche, wunderschöne Frau bist und dein Charakter beeindruckend ist. Ich gratuliere dir zu diesem langen und schweren Weg, den du vielleicht nie zu Ende gehen wirst (denn hat man einmal ein Problem mit Essen, wird man sein ganzes Leben versuchen müssen, dagegen anzukämpfen), aber ich gratuliere dir zu diesen Erfolgen, zu deiner Willensstärke und zu deinem Mut, das alles so öffentlich zu machen.
    Lass dich NIE unterkriegen, bleib bitte so wie du bist (ob nun mit fünf Kilo mehr oder weniger).
    Du bist klasse.
    Liebste Grüße von S.

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    1. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Vielen vielen Dank! Dein Kommentar hat mich wirklich sehr gerührt!!! :*) <3 Danke Danke Danke!!!

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  4. Toller Post! Und ich kann S. (Anonym) absolut zustimmen!

    Hoffe du kannst bald spass am Baden und am "im Badeanzug/Bikini im Meer rumplanschen" haben. Es macht wirklich Freude, das darfst du dir nicht länger entgehen lassen. :)

    Liebe Grüsse,
    Auryn

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