Ratgeber: Von Schönheitsbildern und Verhalten bei Essenseinladungen.

Wie versprochen kommt nun der nächste Post zum Ratgeber "Wenn Essen nicht satt macht - emotionales Essverhalten erkennen  und überwinden" von Jennifer Taitz. Ich bin fast durch mit dem Ratgeber, werde aber nicht alles heute aufschreiben, dann erschlage ich euch ja förmlich mit Text ;)
Falls ihr alles zum Thema lesen möchtet, einfach hier klicken.

In den folgenden Kapiteln nach meinem letzten Post wurde sich vor allem mit Gefühlen, ihren Wirkungen und Vermeidungsstrategien beschäftigt, z.B.:
S. 75: "...Bestimmte Strategien, mit denen wir unsere Gefühle "ins Lot" bringen wollen, führen unweigerlich dazu, dass wir sie verstärken... Aber selbst unsere härtesten Anstrengungen, emotionalen Schmerz nicht aufkommen zu lassen, bringen oft nur mehr Leid mit sich."
Muss ich glaub ich nichts mehr zu sagen - den Teufelskreis kennen wir sicher alle mehr oder weniger. Je mehr man versucht, etwas zu unterdrücken, desto eher kommt es uns wieder in den Kopf und wir werden ständig daran erinnert.
Dazu gibt es eine Übung: Vermeidungsstrategien beenden.
Rufen Sie sich Ihre Strategien zur Manipulation Ihrer Gefühle ins Gedächtnis. Haben Sie schon mal, weil Sie sich einsam fühlten, den TV eingeschaltet, in einem Zug Kleinigkeiten (wie z.B. Gummibärchen) zu sich genommen oder anderes Vermeidungsverhalten gezeigt? Schreiben Sie möglichst viele Strategien auf, die Sie zur Unterdrückung oder Manipulation von Gefühlen bereits angewendet haben. Welche Gefühle finden Sie am unangenehmsten? Wie können Sie lernen, die Gefühle anzunehmen?

Ich schreibe meine Antwort nun nicht ausführlich auf, aber ein paar Beispiele: Ablenkung durch Telefonieren oder Lesen, Ignorieren der aufkommenden Gefühle, mit den Fingern spielen, Süßigkeiten essen,...
Gefühle annehmen lernen durch genaue Benennung des Gefühls, warum das gefühl ausgelöst wird, was es in mir verursacht,...

Besonders schön fand ich S. 79: "Interessanterweise ist die Gefahr eines Essanfalls außerhalb einer Diät geringer, da der Druck bei der Auswahl der Nahrungsmittel geringer ist." Ist nicht so, dass mir das nicht sowieso schon irgendwie klar war. Aber das macht nochmal deutlich wie schwachsinnig es ist, sich etwas zu verbieten, was man eigentlich gern isst - denn der Heißhunger lauert an jeder Ecke. Dann lieber seine Ernährung komplett umstellen und sich trotzdem zwischendurch etwas Süßes gönnen (wenn das zB ein Laster ist) - fährt man einfach viel besser mit!

S.80: "Wenn Sie zum Perfektionismus tendieren und nicht bereit sind, Ihren Körper zu akzeptieren, werden Sie immer auf irgendetwas stoßen, das nicht vollkommen makellos ist. ...Die mangelnde Bereitschaft, Unvollkommendes zu akzeptieren, schafft erst Unvollkommenheit."
Übung: Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit und machen Sie sich Ihre eigenen Gewohnheiten klar. Wie kontrollieren Sie Ihren Körper?
  • Wie oft wiegen Sie sich? früher mehrmals täglich, dann täglich morgens, einmal die Woche... jetzt in etwa alle 3 Wochen, manchmal auch länger gar nicht
  • Wie oft sehen Sie in den Spiegel? Nicht mehr als nötig.
  • Betrachten Sie Ihren Körper als Ganzes? Inspizieren Sie bestimmte Körperpartien besonders genau? Eher bestimme Körperpartien.
  • Sehen Sie sich kritisch oder freundlich an? kritisch.
  • Was kontrollieren Sie, wenn Sie Ihren Körper betrachten? Ob ich eine Veränderung feststellen kann (zB durch Sport und Krafttraining an den Armen, Beinen, Bauch) und wo meine Problemzonen sind, kneife ich gern mal in den Speck ;)
  • Fühlen Sie sich besser, nachdem Sie ihren Körper inspiziert haben? Unterschiedlich, je nach Tagesform.
Eigentlich ist es wirklich schade, dass ich und so viele andere Mädels und auch Jungs da draußen so hart mit sich ins Gericht gehen. Wir streben so oft nach Menschenbildern, die gephotoshopped sind oder maximal 5% der Weltbevölkerung ausmachen statt uns mit ganz "normalen" Menschen zu vergleichen. Und wieso vergleichen wir uns überhaupt? Wir sind alle schön - auf unsere eigene, einzigartige Weise. Spiegel sind trügerisch und was wir sehen hängt in erster Linie davon ab, wie wir etwas sehen. Wenn wir uns selbst betrachten, sind wir selten wirklich objektiv... damit übersehen wir oft, welche Vorzüge wir eigentlich haben und dass wir viel mehr lernen sollten, uns selbst zu akzeptieren und lieben zu lernen. Aber das ist wirklich einfacher gesagt als getan. Ich kenne das nur zu gut. Aber ich muss sagen, es ist schon besser geworden :) Wir sollten alle versuchen, uns nicht so kritisch zu nehmen.

Folgende Sätze kennen wir alle zu gut: "Ich bin am Wochenende auf ein Geburtstag eingeladen und da gibt es Kuchen... aber ich will doch abnehmen. Was mache ich nur?"
S. 121: "... Stellen Sie sich vor, Sie sind zu einem Geburtstag eingeladen: Ihr Verstand sagt Ihnen, dass Sie weniger Süßes essen sollten, aber alle anderen Gäste essen von dem Geburtstagskuchen und Ihre Gastgeberin will ein Nein einfach nicht gelten lassen. Eine Möglichkeit ist, ganz bewusst ein oder zwei Bissen des Kuchen zu kosten und dabei die verführerischen Gedanken zur Kenntnis zu nehmen, die Ihnen einflüstern, dass Sie nun auch noch das Eis und die Trüffel probieren könnten, da Sie ja ohnehin schon "gesündigt" haben. Aber Sie haben immer die Wahl: Sie können sich gegen das Weiteressen entscheiden und einfach Ihre Lust auf mehr (die irgendwann wieder nachlassen wird!) akzeptieren. Alternativ könnten Sie den Geburtstagskuchen freundlich, aber entschieden ablehnen und sich stark und stolz fühlen!"

Ich habe mich ehrlich gesagt gefreut, dass diese Textpassage im Ratgeber aufkam. Wie oft lese ich, dass Anlässe, bei denen gegessen wird, zu einem riesen Problem werden. Da plagen einen die Gewissensbisse - einerseits, weil man nicht unhöflich sein will und andererseits, weil man auf seine Ernährung achten will. Aber geht nicht auch einfach beides? Man hat wirklich IMMER die Wahl. Doch je mehr wir uns auf diesen Kuchen fixieren und dass wir ihn nicht essen "dürfen", desto größer wird das Verlangen. Und geben wir diesem Verlangen dann nach, setzt ganz oft Kurzschlussreaktion im Kopf ein - "Jetzt ist es ja eh egal" und zack, landet das halbe Buffet im Bauch. Klar, das ist jetzt etwas übertrieben, aber ganz oft ist es doch so ähnlich. Und danach ärgert man sich, dass man überhaupt zugegriffen hat und fühlt sich erstrecht schlecht. Das ist doch Quatsch!! Bei einer gesunden Ernährung ist es völlig legitim, sich auch mal ein Stück Kuchen auf einem Geburtstag zu gönnen. Man kann ja sogar nur ein halbes Stück nehmen. Dann hat man wenigstens probiert. Wichtig ist nur, danach aufzuhören und das Stück in vollen Zügen zu genießen. Darin liegt die Kunst. Wir brauchen den Kuchen nicht, um zu überleben, aber er schmeckt sehr gut und wir befinden uns in netter Atmosphäre. Wieso dann den Kuchen mit Reue essen? Ich habe tatsächlich gelernt, die Situation so zu akzeptieren wie sie ist und das Stück Kuchen oder was auch immer, nicht mehr als Feind zu sehen. Ich genieße ihn und gleichzeitig weiß ich, wann Schluss ist. Und wenn ich mich den Tag nicht in der Lage fühle, mit so einer Versuchung umzugehen, dann weiß ich auch gezielt aber freundlich Nein zu sagen.
Warum gibt es überhaupt Anlässe in unserer Gesellschaft, zu denen es fast ein Muss ist viel zu essen oder zu Ungesundem zu greifen? Ich finde, das sollte jeder für sich selbst entscheiden und dafür nicht verurteilt werden. Eine Ablehnung von Essen gilt immer sofort als unhöflich. Natürlich gibt es durchaus Momente, da will oder sollte man das Essen nicht ablehnen (wichtiges Geschäftsessen, Oma hat gekocht und man will sie glücklich machen, weil sie sich immer so freut, einen essen zu sehen oder eine allgemeine Essenseinladung - die Liste ist sicherlich lang). Aber selbst hier kann man sich zumindest darauf entsinnen, dass auch ein kleines Stück genauso lecker schmeckt wie ein großes. Ich bin ja nicht weniger lustig oder gesellig, nur weil ich mir weniger zu Essen nehme. So kann man seine Ziele super verbinden - man ist nicht unhöflich und man gönnt sich gleichzeitig eine Kleinigkeit und achtet trotzdem weiterhin auf seine Ernährung. Und wenn man sich wirklich ganz schlecht fühlt, dann fällt das Abendessen eben ein wenig kleiner aus als geplant. Ein Anlass, an dem Essen auf der Tagesordnung steht, ist kein Weltuntergang. Ich glaube, man redet sich das auch ganz oft ein, weil man grad in dieser Ernährungsumstellung steckt. Dabei geht es doch um noch viel mehr: nett zusammen sitzen, Freunde wieder sehen, Spaß haben. Und das ist doch viel wichtiger, als sich wegen eines kleinen Stück Kuchen den Anlass zu versauen, oder? :)

So ich denke, ich habe euch wieder einen kleinen Einblick in den Ratgeber (und meine Meinung :P) geben können und mache an dieser Stelle erstmal Schluss, da der Text doch wieder länger geworden ist als geplant. Manchmal schreibt man sich einfach in Rage :D

Ich wünsche euch einen schönen Abend und bin gespannt auf Eure Meinung zum Thema Geburtstage & Co. :)

Kommentare

  1. Ein kleines Stück (oder hey, *ein* Stück) Kuchen zu essen, finde ich immer so frustrierend. Wenn ich nicht so viel davon essen kann, wie ich in dem Moment möchte, lohnt es sich irgendwie für mich nicht.

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  2. Toller und wichtiger Post, vielen Dank dafür!
    Ganz wichtig finde ich das von Seite 80.

    LG,
    Auryn


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